KI im Brandschutz
Shownotes
Wir haben im Sommer 2026 eine Umfrage zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Brandschutzplanung und -genehmigung“ durchgeführt. Dabei wollten wir wissen, wie KI die Arbeit, Planungsprozesse und Genehmigungsverfahren im vorbeugenden Brandschutz verändert. 221 Fachleute haben unsere Fragen beantwortet: Podcast-Host André Gesellchen ordnet in dieser Folge die Ergebnisse ein.
Über den Podcast: Chefredakteur André Gesellchen spricht mit führenden Fachleuten über aktuelle Herausforderungen und innovative Lösungen im Brandschutz. Ob neue Vorschriften, technologische Trends oder bewährte Maßnahmen – wir gehen den Fragen nach, die die Branche bewegen. Sie erhalten spannende Einblicke und praxisnahe Tipps, um Leben zu retten und Sachwerte zu schützen.
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Fast jeder zweite Brandschutzprofi in Deutschland arbeitet mittlerweile mehrmals pro Woche mit künstlicher Intelligenz – bei einem Thema, das im Ernstfall über Leben und Tod entscheidet. Das wirkt auf den ersten Blick riskant. Doch dieselben Fachleute sagen fast einstimmig – mit 96 Prozent Zustimmung –, dass man den Ergebnissen der KI niemals ungeprüft vertrauen darf. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich eine Branche, die technikoffen ist, ohne ihre professionelle Sorgfalt aufzugeben.
Herzlich willkommen zu „FeuerTrutz On Air". Mein Name ist André Gesellchen, ich bin Chefredakteur bei FeuerTrutz. Wir blicken heute auf eine aktuelle Umfrage unter 221 Fachleuten aus dem vorbeugenden Brandschutz, die wir im Sommer 2026 durchgeführt haben. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes, teilweise widersprüchliches Bild – und genau das macht sie so aufschlussreich.
Beginnen wir mit dem interessantesten Ergebnis der gesamten Umfrage. Gefragt, ob KI schon heute eine wichtige Rolle in der Brandschutzplanung spielt, ist die Branche praktisch gespalten: 49 Prozent stimmen zu, 51 Prozent widersprechen. Ein nahezu ausgeglichenes Bild.
Ganz anders fällt die Antwort aus, wenn man nach der Zukunft fragt. Ob KI die Brandschutzplanung grundlegend verändern wird – dem stimmen 81 Prozent zu. Und die meisten erwarten diesen Wandel nicht erst in ferner Zukunft, sondern innerhalb der nächsten ein bis fünf Jahre.
Diese Diskrepanz ist aufschlussreich: Die Branche hält die aktuellen Werkzeuge offenbar noch nicht für ausgereift genug, um die eigentliche fachliche Substanz der Arbeit zu übernehmen – unterschätzt das Potenzial der Technologie insgesamt aber keineswegs.
Bevor wir tiefer einsteigen, ein kurzer Überblick über die wichtigsten Kennwerte: Zwei Drittel der Befragten nutzen KI inzwischen regelmäßig, also mindestens einige Male im Monat. Nur jeder Fünfte verzichtet bislang vollständig darauf.
Und: 95,9 Prozent – also fast die gesamte Branche – sind sich einig, dass KI-Ergebnisse zwingend von einem Menschen geprüft werden müssen. Das ist der mit Abstand eindeutigste Wert der gesamten Erhebung.
Ein kurzer Blick auf die Teilnehmerstruktur: Die größte Gruppe stellen mit gut 40 Prozent Planerinnen und Berater, gefolgt von Brandschutzbeauftragten mit knapp 28 Prozent, Vertreterinnen und Vertretern aus Prüfung und Genehmigung mit gut 10 Prozent sowie Fachleuten aus der Errichtung. Die restlichen rund 16 Prozent verteilen sich auf Sachverständige, Produktentwickler, Dozenten und Forschende. Die Umfrage deckt also die gesamte Bandbreite der Branche ab.
Nun zur praktischen Seite: Wofür nutzen die Befragten KI konkret? Die Freitextantworten zeigen ein sehr konsistentes Muster.
An erster Stelle steht die Recherche – das Auffinden von Normen, der Vergleich von Landesbauordnungen, das Zusammenfassen komplexer Vorschriften. Zweitens die Textarbeit: das Formulieren und Überarbeiten von Stellungnahmen, Gutachten, Protokollen und Schulungsunterlagen. Drittens, etwas seltener, dient KI als Sparringspartner bei anspruchsvollen Sonderfällen – um erste Gedankenansätze zu entwickeln, bevor die eigentliche fachliche Prüfung erfolgt.
Besonders aufschlussreich ist eine wiederkehrende Formulierung aus den Antworten: Mehrere Teilnehmende beschreiben, dass sie die KI nutzen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen – und anschließend eigenständig weiterrecherchieren. Das bringt die Haltung der Branche auf den Punkt: KI als Rechercheassistent, nicht als Entscheidungsinstanz.
Bei den genutzten Tools liegt ChatGPT klar vorn, gefolgt von Microsoft Copilot – nicht zuletzt, weil es ohnehin in viele Office-Umgebungen integriert ist. Danach folgen Gemini, Claude und Perplexity als etablierte Alternativen. Vereinzelt setzen Unternehmen bereits firmeninterne KI-Lösungen ein, und die ersten fachspezifische Angebote werden eingestezt, etwa der KI-Assistenten im FeuerTrutz Brandschutzatlas.
Rund jeder Fü nfte der Befragten setzt aktuell keine KI ein – und die genannten Gründe sind überwiegend fachlicher Natur. Am häufigsten wird mangelndes Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Ergebnisse genannt.
Einige Befragte berichten von konkreten Fehlerfällen oder sogenannten Halluzinationen – also ausgedachten, nicht belastbaren Antworten. Hinzu kommen praktische Hürden: Wichtige Normen stehen häufig hinter kostenpflichtigen Zugängen, die der KI nicht zur Verfügung stehen, oder der Einsatz ist durch den Arbeitgeber schlicht nicht gestattet. Das sind keine grundsätzlich technikablehnenden Haltungen, sondern nachvollziehbare, aus der Praxis begründete Vorbehalte.
Kommen wir zum Kernstück der Umfrage: fünf zugespitzte Thesen, zu denen die Teilnehmenden klar Stellung bezogen haben.
Zur ersten These – wer heute KI im Brandschutz einsetzt, handle unverantwortlich – ist das Urteil eindeutig: Fast drei Viertel der Befragten widersprechen. Der Einsatz von KI an sich wird also nicht als Risiko wahrgenommen.
Interessanter wird es bei der nächsten Frage: Wird, wer keine KI nutzt, bald vom Wettbewerb abgehängt? Hier stimmen 56 Prozent zu – ein Hinweis darauf, dass der Druck, mit der Entwicklung Schritt zu halten, zunimmt, ohne dass bereits von einer akuten Verdrängungssituation gesprochen werden kann.
Zur vermeintlichen Jobangst: Bedroht KI Arbeitsplätze im Brandschutz? 77 Prozent verneinen das. Noch bemerkenswerter: 61 Prozent sehen in KI sogar ein Mittel, um dem Fachkräftemangel in der Branche entgegenzuwirken – ein Ergebnis, das angesichts der seit Jahren beklagten Personalknappheit plausibel erscheint.
Und schließlich der bereits erwähnte Spitzenwert: 96 Prozent sind sich einig, dass KI zwar hilfreich sein kann, ihre Ergebnisse aber zwingend von einem Menschen geprüft werden müssen. Dieser Grundsatz bildet gewissermaßen den fachlichen Konsens der gesamten Branche.
Etwas offener fällt die Antwort auf eine fast philosophische Frage aus: Verlernt man durch regelmäßigen KI-Einsatz das eigenständige Denken? 58 Prozent verneinen dies, aber immerhin 42 Prozent sehen hier durchaus eine Gefahr. Das ist die Frage mit der größten inneren Uneinigkeit der gesamten Umfrage – ein Hinweis darauf, dass die Technologie trotz aller Nützlichkeit nicht unreflektiert betrachtet wird.
Was lässt sich zusammenfassend sagen? Die Brandschutzbranche hat den Einstieg in die KI-Nutzung längst vollzogen – mehr als die Hälfte der Befragten setzt die Technologie bereits regelmäßig ein. Gleichzeitig begegnet man ihr mit professionellem Abstand statt unkritischer Begeisterung: KI wird für Recherche, Formulierung und erste fachliche Denkanstöße genutzt – nicht aber als letzte Instanz bei sicherheitsrelevanten Entscheidungen.
Diese Haltung – Technologie nutzen, ohne ihr blind zu vertrauen, und die fachliche Verantwortung konsequent beim Menschen zu belassen – dürfte sich als tragfähiger Umgang mit einer noch jungen Technologie erweisen. Nicht nur im Brandschutz.
Das war unsere heutige Episode von „FeuerTrutz On Air". Wenn Sie selbst mit KI im Brandschutz arbeiten – oder bewusst darauf verzichten – freuen wir uns über Ihre Erfahrungen. Bis zur nächsten Ausgabe und - bleiben Sie sicher.
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